Filmwahl Neuheiten

Für den nächsten Film nach 2001 haben Sie dann auch wieder die Qual der Wahl haben, mit der nächsten Neuheiten-Wahl. Als Kandidaten haben wir folgende Filme:

– Foxtrot
– Geniale Göttin
– In den Gängen
– The Rider

FoxtrotFoxtrot (Frankreich / Israel, R: Samuel Maoz)

Der 19-jährige Jonathan muss mit einer kleinen Einheit von Soldaten an einem entlegenen Posten eine Straße sichern. Hin und wieder mal ein Auto, das kontrolliert wird. Ansonsten hebt sich die Schranke regelmäßig für das dort lebende Kamel. Es ist nicht davon auszugehen, dass Jonathan dort jemals etwas passieren könnte.

Die Eltern von Jonathan sind entsetzt, als ihnen eines Tages mitgeteilt wird, dass ihr Sohn im Dienst fürs Vaterland umgekommen ist. Die Mutter Daphna (Sarah Adler) kollabiert. Den
Vater Michael (Lior Ashkenazi) zerreißt es innerlich wie äußerlich. Er muss nun alle Formalitäten regeln. Obwohl er erst einmal trauern möchte, verlangt der Staat, Jonathan am nächsten Tag zu bestatten. Mitten hinein in diese Vorbereitungen platzt eine Nachricht, die alles anders erscheinen lässt.

Der israelische Regisseur Samuel Maoz erzählt in drei Kapiteln von der Trauer und dem Wahnsinn des nicht enden wollenden Kriegs im Nahen Osten. Jedes Mal geschieht etwas, das der ganzen Geschichte eine völlig neue Richtung gibt. Zwischendrin wird mal hemmungslos gelacht oder mitten in der Steppe getanzt. Und dann herrscht wieder Schwermut, die einem das Herz zusammenschnürt. Ein Film, der den Zuschauer emotional durchrüttelt.

Geniale GöttinGeniale Göttin (USA, R: Alexandra Dean)

Hedy Lamarr war eine der gefeiertsten Schauspielerinnen ihrer Zeit, berühmt für ihre Schönheit. Eine andere Seite ihres Schaffens geriet aber in Vergessenheit: Nachdem die als Hedwig Eva Maria Kiesler geborene österreichische Jüdin nach Amerika emigriert war, half sie maßgeblich an der Erfindung des Frequenzsprungverfahrens mit, das bis heute essentiell für die drahtlose
Datenübertragung etwa bei WLAN-, GPS- und Bluetooth-Verbindungen ist. Die Bedeutung dieser Erfindung wurde jedoch zunächst verkannt, erst kurz vor Hedy Lamarrs Tod im Jahr 2000
erhielt sie die verdiente Anerkennung für ihre technischen Errungenschaften. Regisseurin Alexandra Dean erzählt Lamarrs weitgehend unbekannte Geschichte mit Hilfe von verloren geglaubten Sprachaufnahmen und Interviews mit Angehörigen, Freunden und Bewunderern.

Am reizvollsten ist jedoch ein auf 4 Tonbändern festgehaltenes Gespräch mit Lamarr aus dem Jahre 1990, welches lange als verschollen galt. In diesem sprach sie erstmals über ihre Arbeit als Erfinderin. Neben dieser verblüffenden Seite des Hollywood-Stars zeigt Geniale Göttin – Die Geschichte von Hedy Lamarr unter anderem auch, was es bedeutete, in den 1940er Jahren eine allein-erziehende Mutter zu sein. „Ich bin ein einfacher, komplizierter Mensch“, sagt Lamarr an einer Stelle in einem Fernsehinterview. Deans dokumentarische Betrachtung wird dieser
Ambivalenz und Komplexität erfreulicherweise gerecht.

Fazit: Eine überraschende Dokumentation über eine überraschend vielseitige Frau.

In den GängenIn den Gängen (Deutschland, R: Thomas Stuber)

Der schweigsame Christian (Franz Rogowski) tritt eine neue Stelle im Großmarkt an. Bruno (Peter Kurth) aus der Getränkeabteilung nimmt ihn streng, aber wohlmeinend unter seine Fittiche und zeigt ihm, wie die Dinge in dem kleinen Universum funktionieren. Die beiden werden schnell Freunde. Als er sich in Marion (Sandra Hüller) von den Süßwaren verliebt, drückt der ganze Großmarkt ihrer Liebe ganz fest die Daumen. Einziges Problem: Marion ist bereits verheiratet.

Mit unglaublich viel Liebe zum Detail erkundet Thomas Stuber den Mikrokosmos „Großmarkt“. Diese Normalität, die zugleich oft zutiefst absurd ist, nutzt Stuber für zahlreiche wunderbar humorige Momente – meist geradezu im Vorbeigehen und ohne viel Aufhebens, aber an passenden Stellen auch mit komödiantischem Nachdruck. Stubers Inszenierung steht ganz im Dienste der Geschichte und der Schauspieler. Meist kann sich das Wesentliche in ruhigen Einstellungen und präzise gewählten Bildausschnitten entfalten – und gerade durch diese Zurückhaltung entfaltet die emotionale Achterbahnfahrt, auf die uns Stuber im späteren Verlauf des Films mitnimmt, ihre ganze Wirkung. Wozu wiederum auch die geschickt aus Stücken
verschiedenster Stilrichtungen zusammengestellte Musik sowie die in ihrer poetischen Klarheit bestechenden Aufnahmen von Stubers Stammkameramann Peter Matjasko ihren Beitrag leisten.

Fazit: „In den Gängen“ ist ruhig, poetisch, humorvoll, berührend, niederschmetternd … und vor allem herausragend.

The RiderThe Rider (USA, R: Chloe Zhao)

Brady Blackburn (Brady Jandreau) ist ein überaus talentierter Cowboy und Rodeo-Reiter, doch nach einem schweren Unfall, bei dem er sich am Kopf verletzt, muss er sich damit arrangieren, dass er wohl nie wieder reiten können wird. Nicht nur ist Brady damit von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Als direkter Nachkomme der Lakota-Sioux hat er auch eine ganz besondere Verbindung zu Pferden und definiert sich selbst fast ausschließlich über seine Arbeit mit den Reittieren. In seiner Kultur ist ein Mann, der nichts reiten kann, kein
echter Mann und so hat auch sein Vater für seinen beeinträchtigten Sohn nur wenig Mitleid übrig, zudem gibt es im Pine Ridge Reservat ansonsten nur wenig zu tun. Und so sehnt sich Brady weiterhin nach dem Reiten, obwohl sein Körper sich dagegen sträubt.

Chloé Zhao sieht sich selbst als feministische Filmemacherin, aber statt weibliche Figuren aus einer weiblichen Perspektive zu zeigen, interessiert sie sich mehr dafür, klassische Männerfiguren aus Frauensicht zu untersuchen. Und obwohl die Regisseurin die traditionellen Männlichkeitsvorstellungen der Cowboy-Community konsequent hinterfragt (etwa den Ausdruck „Cowboy up!“, eine Steigerungsform von „Man up!“ = „Stell dich nicht so an!“), hat „The Rider“ nie etwas Bitteres oder Zynisches an sich, wie man es von vielen Wildwest-Abgesängen ihrer männlichen Kollegen gewöhnt ist. Stattdessen erweist sich der trotz großer Bilder angenehm nüchtern inszenierte Neo-Western als ebenso zärtliches wie wahrhaftiges Porträt eines Rodeo-Reiters, der nicht länger aufs Pferd steigen darf.

 

Und? Ist etwas für Sie dabei? Andere Vorschläge waren übrigens: „Die brillante Mademoiselle Neila“ – dieser Film läuft gerade im normalen Viktoria-Programm – und lohnt sich!

Die Biografie „Gundermann“ und Spike lees neuer Film „BlacKKKlansman“ dagegen sind noch zu neu, werden aber entweder bei der nächsten Wahl oder im regulären Programm auftauchen.Wir freuen uns schon drauf!

Wie immer gilt: Antworten Sie einfach per Email und geben Sie den Titel Ihres Favoriten bzw. die Titel Ihrer Favoriten an. Oder schreiben Sie uns oder geben Sie eine Nachricht im Viktoria Filmtheater ab. Und wie immer sind Mehrfachnennungen möglich. Einsendeschluss ist Sonntag, der 14.09.2018.

In diesem Sinne – demnächst wieder Film ab!
Jens Mankel        Ralf Schemmann       Ilka Henssen

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